Alfred M. de Zayas, Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts

Dokumentation alliierter Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg

540 Seiten + 32 Seiten Bilder, gebunden, fester Einband

ISBN 978-3-938176-39-9

Wer die Debatte über die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" kennt, weiß auch, daß Wehrmachtsoldaten nicht nur Täter, sondern auch Opfer von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden. Dieses Buch, das große wissenschaftliche Anerkennung genießt und mehrere Auflagen in Amerika erlebt hat, dokumentiert dies.

Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts wurde 1939 eingerichtet, mit der Aufgabe, völkerrechtswidrige Handlungen der Kriegsgegner Deutschlands zu dokumentieren. Die Unterlagen dienten juristischen und diplomatischen Stellen des NS-Staates für Weißbücher, Protestschreiben und Anklagen gegen Kriegsgefangene.

Der Autor hat als erster die 226 erhaltenen Aktenbände ausgewertet. Diese Akten befinden sich im Bundesarchiv – Militärarchiv – Freiburg im Breisgau. Ausländische Archive wurden auch konsultiert, um die Zuverlässigkeit der deutschen Akten zu verifizieren. Mehr als 300 ehemalige Militärrichter und Zeugen wurden persönlich aufgesucht und mit ihren damaligen Ermittlungen und Aussagen konfrontiert.

Dieses Buch legt zugleich eine behördengeschichtliche und völkerrechtliche Studie vor: Im ersten Teil untersucht de Zayas die Glaubwürdigkeit der Institution und des Aktenkorpus, im zweiten Teil schildert er anhand ausgewählter Fälle die Vorgehensweise und die Ergebnisse der Untersuchungsstelle: Schwere Kriegsverbrechen werden dokumentiert.

 

Professor Dr. iur. et phil. Alfred de Zayas ist ein US-amerikanischer Völkerrechtler und Historiker, Mitglied der Anwaltschaft von New York und Florida, ehemaliger Chef der Petitionsabteilung im Büro des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte, Sekretär des UNO-Menschenrechtsausschusses und Präsident des französischen Schweizer P.E.N. Clubs. Autor von 9 Büchern. de Zayas war Gastprofessor des Völkerrechts in den USA, Kanada, Irland und Spanien und lehrt seit 2005 an der Geneva School of Diplomacy in Genf.

Inhalt

Zu diesem Buch

Vorwort zur erweiterten Auflage

Vorwort zur 1. Auflage

Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

ERSTER TEIL

A. Aktenbestand

1. Die Quellenlage

1.1 Erster Weltkrieg

1.2 Zweiter Weltkrieg

1.2.1 Deutsche Akten

1.2.2 Ausländische Akten

2.Vorbehalte gegenüber deutschen Darstellungen alliierter Kriegsverbrechen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges

2.1 Der Fall Gleiwitz

2.2 Der BrombergerBlutsonntag

2.3 DerFallKatyn

2.4 Der Fall Nemmersdorf

B. Vorgeschichte und Entstehung der WUSt

3. Vorläufer und parallele Einrichtungen

3.1 Alliierte Untersuchungen über deutsche Kriegsrechtsverletzungen

Kriegsministerium

3.3 Der Parlamentarische Untersuchungsausschuß

3.4 Parallele Einrichtungen der alliierten Mächte im Zweiten Weltkrieg

4. Entstehung, Kompetenzen und Mitglieder der WUSt

4.1 Entstehung

4.2 Kompetenzen

4.3 Mitglieder der Untersuchungsstelle

4.4 Wehrmachtrichter

4.4.1 Tätigkeit der Wehrmachtrichter

4.4.2 Wehrmachtrichter und Nationalsozialismus

5. Parallele Tätigkeit anderer Ämter und

Zusammenarbeit mit der WUSt

5.1 Amt Ausland-Abwehr

5.2 Wehrmachtführungsstab

5.3 Wehrmachtpropagandaamt

5.4 Heeresfeldjustizabteilung

5.5 Sonderkommando Buhtz

5.6 Sanitätsinspekteur beim OKH

5.7 Auswärtiges Amt

5.8 Russisch-deutsche Untersuchungskommissionen

5.9 Demobilmachungsabteilung

C. Verfahrensweise

6. Gewinnung des Beweismaterials

6.1 Sonderkommissionen und Lazarettbesuche

6.2 Heeres-, Marine- und Luftwaffenrichter im Felde

6.3 Ic-Meldungen

6.4 Der Gang einer Untersuchung am Beispiel Skomorochy ....

6.5 Zeitungsberichte

6.6 Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft

6.7 Schutzmachtmitteilungen

6.8 Kriegstagebücher

7. Zeugenvernehmung

7.1 Protokollierung

7.2 Fragestellung

7.3 Vereidigung und Glaubwürdigkeit

7.3.1 Der Fall Dietzel

7.4 Vernehmung mehrerer Zeugen zu einem Fall

7.5 Richterliche Augenscheinnahme

7.6 Nachprüfung durch die WUSt: Der Fall Donkels

8. Ärztliche Gutachten

8.1 Medizinische Untersuchungen im Felde

8.2 Augenverletzungen

8.3 Verstümmelungen an den Geschlechtsteilen

8.4 Gerichtsmedizinische Gutachten

Richtlinien der Heeres-Sanitätsinspektion für Befundbeschreibungen

D. Zweck und Verwendung der Akten der WUSt

9. Weißbücher

9.1 Kompetenzen der WUSt und des Auswärtigen Amtes

9.2 Beurteilung der deutschen Weißbücher

9.3 Verwendung von Bildern

10. Diplomatischer Schutz

10.1 Schutzmachttätigkeit gegenüber Großbritannien und den Vereinigten Staaten

10.2 Schutzmachttätigkeit gegenüber der Sowjetunion

11. Die WUSt und Kriegsverbrecherprozesse

11.1 Zulässigkeit der Prozesse

11.2 Prozesse gegen Polen

11.3 Prozesse gegen Franzosen

11.4 Prozesse gegen britische und amerikanische Kriegsgefangene

11.5 Prozesse gegen Russen

11.6 Kriegsverbrecherlisten

12. Repressalien

12.1 Repressalien in Rußland

12.2 Repressalien im Seekrieg

12.3 Fesselung von Kriegsgefangenen

13. Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen

13.1 Kriegsverbrechen in Nordafrika

13.2 Wiederverwendung von heimgekehrtem Sanitätspersonal

13.3 Invasions-Opfer

13.4 Malmedy

14. Fortentwicklung des Kriegsrechts

14.1 Verwendung der Akten der Militäruntersuchungsstelle

14.2 Verwendung der Akten der WUSt

14.2.1 Ausschuß unter Admiral Gladisch

14.2.2 Lehmann-Denkschrift

14.2.3. Denkschrift des Amtes Ausland-Abwehr

ZWEITER TEIL

E. Konkrete Fälle

15. Polen

15.1 Die ersten Ermittlungen

15.2 Die Phase intensivster Untersuchungen: Sept.-Okt. 1939

15.3 Ergänzende Untersuchungen im Winter 1939/40

15.4 Deutsche Verbrechen in Polen

16. Der westliche Kriegsschauplatz

16.1 Die Untersuchungen über Vergehen an der Zivilbevölkerung in Holland, Belgien und Nordfrankreich

16.2 Vergehen an deutschen Soldaten in Frankreich

17. Kreta

18. Tötung deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion

18.1 Der Fall Broniki

18.2 Informationsquellen der WUSt

18.3 Begründungen für Tötungen

18.4 Beispiele russischer Kriegspropaganda

18.5 Richtlinien der sowjetischen militärischen Führung für die Behandlung von Kriegsgefangenen

18.6 Verantwortlichkeit für die Erschießungen

18.7 Angeblicher Stalin-Befehl zur Erschießung deutscher Gefangener

18.8 Auswertung durch das Auswärtige Amt und WUSt

19. Feodosia (Krim)

20. Grischino

21. Vergehen an nicht-deutschen Soldaten und Zivilisten

21.1 Vergehen an Soldaten der spanischen »Blauen Division«

21.2 Vergehen an Hilfswilligen

21.3 Vergehen an ukrainischen und baltischen Zivilisten

22. Lemberg

22.1 Ergebnisse der richterlichen Vernehmungen

22.1.1 Deutsche Zeugen

22.1.2 Ukrainische und polnische Zeugen

22.2 Informierung des Auslandes

22.3 Lemberg im Nürnberger Prozeß

22.4 Amerikanische und Haager Untersuchungen

22.5 Zeugnisse der Exil-Ukrainer

22.6 Weitere Befragungen

23. Katyn

24. Winniza

25. Beschießung Schiffbrüchiger

25.1 Narvik

25.2 Osia Paraskevi

25.3 Kreta

25.4 Beschießung durch Flugzeuge

25.5 Britische Politik

26. Lazarettschiffe

26.1 WUSt-Listen

26.2 »Tübingen«

F. Befragung von Richtern und Zeugen

27. Schwierigkeiten bei der Ermittlung von Richtern und Zeugen

27.1 Allgemein

27.2 Zurückhaltung der Richter und Zeugen

28. Erinnerungsvermögen

28.1 Erinnerung der Richter

28.1.1 Tagebucheintragungen

28.1.2 Unterschrift

28.1.3 Erinnerung an andere Fälle

28.2 Erinnerungsvermögen der Zeugen

28.2.1 Allgemein

28.2.2 Ergänzungen

G. Epilog

ANHANG

Dokumente in Faksimile

Nachwort

Danksagung

Personenindex

Abkürzungen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Zu Goldhagens »Hitlers willige Vollstrecker«

Schlußbericht an die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Register

 

Aus Rezensionen:

"Dieses Buch, das wissenschaftliche Neuland erschliesst, ist im Beweisgang sorgfältig abgestützt; es formuliert und wertet behutsam"

DIE ZEIT

"Hier wird spannende Zeitgeschiche präsentiert und detektivisch untersucht"

Hessischer Rundfunk

"Nun will das Buch nicht Verbrechen gegen Verbrechen aufrechnen, es soll vielmehr zur Aufhellung eines dunklen Kapitels der jünsten Geschichte beitragen."

ZDF/Drehscheibe

"Um nicht noch im nachhinein nationalsozialistische Propaganda aufzusitzen, prüfte de Zayas 'die innere Folgerichtigkeit der Akten' und verglich die darin geschilderten Vorgänge mit einschlägigen Materialien in Bonner, Londoner, amerikanischen und schweizerischen Archiven. Er machte Hunderte von Zeugen ausfindig, darunter rund 150 ehemalige Herres- Marine- und Luftwaffenrichter, die er nach dem Zustandekommen der Dokumente befragte...
Ob es sich mal um Kopflosigkeit, mal um Tucke haldelte -- was immer die Wehrmacht-Untersuchungsstelle prüfte und de Zayas in deren Akten fand, erreichte, 'bei aller Grausamkeit im Einzelfall', doch nirgends 'die Ebene des organisierten Völkermords', wie Professor Dietrich Rauschning, Direktor des Göttinger Universitäts Instituts für Völkerrecht, an dem de Zayas arbeitete, in einem Vorwort festhielt: 'Ein Vergleich mit dieser Dimension verbietet sich.' Auch de Zayas will seine Veröffentlichung keineswegs als 'Anrechnung gegen Holocaust' verstanden wissen und wendet sich vorsorglich gegen 'Beifall von der falschen Seite'. Aber: 'Wenn das nun mal alles so stimmt, muss man auch darüber reden können."

Der Spiegel

"Eine Pionierstudie...ein interessantes und gut geschriebenes Werk"

American Journal of International Law

"de Zayas, der auch deutsche und ausländische Archive ausgewertet hat, ist bei seinen Untersuchungen sehr sorgfältig vorgegangen, in der Bewertung der Ermittlungsergebnisse der WUSt ist er objecktiv, eher vorsichtig und zurückhaltend. Die Arbeit enthält auch interessante völkerrechtliche Ausführungen Das lesenswerte Buch wird sicherlich viel Beachtung finden."

Generalstaatsanwalt Erich Heimeshoff in Deutsche Richterzeitung

"De Zayas ging sozusagen mit langen Zähnen an die Prüfung der 226 Bände WUSt-Akten ... Konnten solche Wehrmachtjuristen überhaupt im Dritten ReIch korrekt arbeiten? Das Ergebenis mag de Zayas wie Rabus beblüfft haben... Dies ist eine der wichtigsten Veröffentlichungen zur Zeitgeschichte"

Walter Görlitz in Die Welt

"Die zugleich historische und völkerrechtliche Untesuchung eines amerikanischen und eines niederländischen Forschers hat die Tätigkeit einer Institution zum Gegenstand, deren Existenz nur Spezialisten bekannt war: der Wehrmacht-Untesuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts im Oberkommando der Wehrmacht. Anknüpfend an die Arbeit der Militäruntersuchungsstelle für Verletzungen des Kriegsrechtes im Preussischen Kriegsministerium während des Ersten Weltkrieges, deren stellvertretenden Leiter, der Berliner Rechtsanwalt und Notar Johannes Goldsche, im Zweiten Weltkrieg der Leiter der OKW-Untersuchungsstelle war, stellte sie -- wie die akribische Untersuchung der beiden Gelehrten erweisen konnte -- nicht nur in personeller, sondern auch in sachlich-fachlicher Hinsicht eine ungewöhnliche Kontinuität dar, bildete sie doch eine art Insel der Rechtsstaatlichkeit innerhalb des Unrechtsstaates des "Dritten Reiches". Unter Auswertung der 226 Aktenbände der Untesuchungsstelle, abgesichert durch Heranziehung weiteren Quellenmaterials, durch Befragungen von Richtern, Zeugen und sonstigen Beteiligten, konnten die Vf die eigenen Zweifel, ob es sich nicht doch um eine Propaganda Institution des Regimes handelte, ausräumen und als Ergebenis konstatieren, dass von der Untersuchungsstelle mit richterlicher Objektivität bekannt gewordene Völkerrechtsverletzungen der Alliierten ermitelt wurden. Die Studie ist einerseits eine Behördengeschichte, die das Entstehen, die Arbeitsweise, die Kompetenzen und die Organisation der Untrsuchungsstelle darstellt, zum anderen konkrete Fälle behandelt, von denen die Vorgänge in Lemberg 1941, Feodosia 1941, Katyn 1943 wohl die bekanntesten sind. Jedoch sind auch Vorgänge auf westlichen Schauplätzen (in Norwegen 1940, Kreta 1941, Versenkung deutscher Lazarettsschiffe, so der "Tübingen" 1944) mit einbezogen. Hierbei konnte es sich jeweils nur um die Ermittlungen der Untesuchungsstelle und um den völkerrechtlichen Klärung im Sinne der Arbeit der Historiker handelt. Die Vf. - und der Göttinger Völkerrechtler Dietrich Rauschning, der dem Band ein Vorwort vorausschickte (in seinem Institut wurde der grösste Teil der Arbeit geleistet) -- heben deutlich hervor, dass der qualitative Unterschied zwischen den hier zur Sprache kommenden Verletzungen des Kriegsrechts durch die Alliierten, so furchtbar sie z.T. waren, und dem Genocid, das das "Dritte Reich" an Juden und Zigeunern verübte, nicht verwicht werden dürfte."

Professor Andreas Hillgruber in Historische Zeitschrift

"Angesichts der zahlreichen Rechtsbeugungen im Dritten Reich stellt der Leser des Buches mit Erstaunen fest, dass die Militärjustiz in diesem Bereich objektive und frei von propagandistischen tendenzen gearbeitet hat. Die Ermittlungen wurden zuverlässig durchgeführt. Obwohl die Unterlagen durchaus für die psychologische Kriegsführung geeignet waren, hat die sorgfältige Quellenkritik des Buches erwiesen, dass keine Fälschungen vorgenommen wurden. 300 lebenden Richter und Zeugen, die zu den in den Akten festgestellten Greueltaten befragt wurden, bestätigten den Inhalt der Papiere 30 Jahre nach dem Krieg.
Da es sich bei dem Buch eigentlich um eine Behördengeschichte handelt, wurden nur die Fallbeispiele ausgewählt, die die Verfahrensweise der Wehrmachtuntersuchugnsstelle am besten widergaben. Alle Unterlagen über die Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen in ausländischen Lagern blieben z.B. unberücksichtigt.
Ganz nebenbei gelingt dem Autor auch eine Ehrenerklärung für die Wehrmachtrichter, die man in dem Buch nicht erwartet. Anhand mehrerer Fälle wird dargestellt, wie unnachsichtig in Russland trotz des Gerichtsbarkeitserlasses "Barabarossa" Delikte deutscher Soldaten gegen die Zivilbevölkerung geahndet wurden. Es gab zahlreiche Todesurteile wegen Vergewaltigung und Plünderung. Einer Einflussnahme durch die NSDAP waren die Wehrmachtrichter offensichtlich nicht ausgesetzt.
...Aus der Geschichte lernen nur wenige weniges. Völkerrechtsverletzungen ähnlicher Art gibt es seit 1945 zuhauf." Das Parlament

"Die Furcht von Kritikern, die einwenden können, man hätte die Finger von dieser Materie lassen sollen, sitzt den Autoren im Nacken. Nur unter ständigen Hinweis auf die unverhältnismässig grösseren deutschen Kriegsverbrechen wagen sie, das Material der Öffentlichkeit anzubieten. Die didaktische Intension der Autoren, dieses Buch könne der Gewissensbildung der gegenwärtigen und zukünftigen Generation von Soldaten, dienen, kann man nur mit Einschränkung nachvollziehen. Ebensowenig wie mit den Nürnberger Prozessen ein Schlussstrich unter Völkerrechtverletzungen gezogen wurde, wird die Offenlegung selbst ungewöhnlicher Grausamkeinen die Angehöringen von Streitkräften davon abhalten, die Regeln des humanitätern Kriegsvölkerrechts mit Füssen zu treten... Mit der Kritik an der Kriegsführung der Alliierten hat sich die vorliegende solide Studie an die wenigen Publikationen angeschlossen, die einseitige militärhistorische Perspektiven abbauen wollen.

Annotierte Bibliographie fuer die politische Bildung, Bundeszentrale fuer Politische Bildung.

"Der Verfasser hat die von der zuständigen deutschen Wehrmachts-Untersuchungsstelle erstellten Berichte und die dazu gehörenden Aktenbestände über die von den Alliierten begangenen Völkerrechtsverletzungen mit der gebotenen Zurückhaltung geprüft und in der Form eines umfassenden Gesamtberichts herausgegeben. Dieses Buch gibt ein beeindruckendes Bild einer Vielfalt von Rechtsverletzungen aller Art, die im Krieg auch von alliierter Seite begangen wurden ...An dem mit deutscher Gründlichkeit geführten und vom Verfasser kritisch bewerteten Sündenreigster der Alliierten darf im Interesse eines gerechten Geschichtsbildes nicht vorbeigesehen werden. Darin liegt vor allem eine erneute Illustration der Unmenschlichkeit des modernen Krieges."

Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift

"Es ist das besondere Verdienst des amerikanischen Völkerrechtlers und Historikers Alfred de Zayas, unter Mitarbeit seines niederländischen Kollegen Walter Rabus ...eine brillante Studie über ein bisheriges Tabu zu präsentieren".

Bayerischer Rundfunk

"Das Erscheinen dieses Buches ist aus verschiedenen Gründen bemerkenswert: erstens, dass es überhaupt in einem angesehen Verlag und mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Instituts für Völkerrecht der Universität Göttingen erscheinen konnten; zweitens, dass die darin urkundlich belegten Vorgänge erst 35 Jahre nach Kriegsende in geschlossener Buchform publiziert wurden; drittens, das ein amerikanischer (de Zayas) und ein holländischer Völkerrechtler (W.Rabus) sich der ungeheueren vorbereitenden Forschungsarbeit unterzogen haben, während deutsche Geleherte nur Hilfelstellung leisteten.

Welche psychologischen Hemmungen überwunden werden mussten, um das Werk zustande zu bringen, wird nicht nur vom Hauptverfasser de Zayas in Einleitung und Nachwort und von Dietrich Rauschning in seinem aufschlussreichen Vorwort mitgeteilt, sondern zeigt sich auch fortlaufend in der Darstellung und der Diktion des Textes. Rauschning spricht von der 'Scheu der wissenschaftlichen Nachkriegsgeneration' genenüber diesen Vorgängen, die dazu geführt habe, dass diese nicht von seinem Institut aus aufgegriffen worden wären, obwohl es seit Jahrzenten den kriegsverbrecherverfahren nach 1945 besondere wissenschaftliche Aufmerksamkeit gewidmet hatte (S. 12/13). Es ist die bekannte Scheu deutscher Akademiker, sich dem Verdacht auszusetzen, die alliierten Völkerrechtsverletzungen gegen die Masssenmorde des NS-Regimes 'aufrechnen' oder diese auch nur durch jene relativieren zu wollen. Der tief sitzende deutsche Schuldkomplex, ein sozialphsychologisch und historisch wohl ebenso einmaliges Phänomen wie die Verbrechen, auf die er sich bezieht, hat auch hier noch nachgewirkt. Dass eine solche Aufrechnung nicht beabsichtigt sei, wird von der Verfassern denn auch mehrmals betont. Darüber hinaus bekunden sie, mit Zweifeln an ihrer Echtheit und Wahrhaftigkeit an die deutschen Wehrmachtsdokumente, Protokolle von Vernehmungen usw. herangegangen zu sein...

In der Prüfung und Wiedergabe von Dokumenten über solche Vorgänge anhand der Akten der WUSt und ergänzenden Materials liegt der Wert der Arbeit. Die bis zum Skrupel reichende Gewissenhaftigkeit der Autoren hat sich ausgezahlt und die Nachweise erbracht, die so lange nach den Ereinissen menschennmöglich sind. Gegenproben und Vergleiche wurden u.a. durch protokollierte Vernehmungen überlebender deutscher Kriegsgerichtsräte und Zeugen gemacht, die damals an den ersten Untersuchungen beteiligt waren... Insgesamt kann die Behauptung auf dem Klappentext bestätigt werden, dass dieses Buch 'einen Meilenstein in der Erforschung des Zweiten Weltkriegs' darstellt. "

Prof. Dr. Helmut Rumpf, Die Verwaltung

"Nach einer fünfjährigen Auswertung der Akten und von Archiven in England, Amerika, Holland und der Schweiz befragten Dr. de Zayas und Dr. Rabus rund 300 ehemalige Richter und Zeugen. Dabei stellte sich ihrer Meinung nach heraus, dass die Wehrmacht-Untersuchungsstelle eine 'gewissenhafte und jurstizkonforme Dokumentation betrieben hat', die die beiden Wissenschaftler sich neben anderen damit erklären, dass die leitende Personen der Behörden, Dr. Johannes Goldsche, und sein Vorgesetzter, der Chef der Wehrmachtsrechtsabteilung, Dr. Rudolf Lehmann, trotz ihrer herausgehobenen Stellung nicht der NSDAP angehörten".

Stuttgarter Nachrichten

"General Eisenhower an General Marshall, 18. März 1945: 'Bisher habe ich den Grund des Todes der deutschen Kriegsgefangenen, der mir kürzlich berichtet wurde, nicht herausfinden können, noch weiß ich, wer verantwortlich ist. Es ist mir zuwider, daß solche Dinge geschehen, denn ich hasse es, mich bei den Deutschen zu entschuldigen. Es scheint aber, daß ich diesmal keine andere Wahl habe.' Und tatsächlich, in einer Note vom 24. März, übermittelt von der amerikanischen Gesandtschaft in Bern, erklärte der alliierte Oberbefehlshaber gegenüber dem Oberkommando der Wehrmacht sein Bedauern, daß 130 deutsche Kriegsgefangene bei Eisenbahntransporten in Frankreich erstickt waren, er versprach Bestrafung der Schuldigen. Die nationalsozialistische Schreckensherrschaft in Europa hat eine Fülle von Untaten der Gegenseite zur Folge gehabt, und sie sind zum Teil breit dokumentiert, vor allem der Luftkrieg und die Vertreibungsverbrechen. Merkwürdigerweise dauerte es aber vierunddreißig Jahre, bis die erste Arbeit über eine deutsche Institution erschien, die sich von 1939 bis 1945 mit alliierten Völkerrechts-Verletzungen befaßt hatte. Das um und um gepflügte Forschungsfeld Zweiter Weltkrieg hält also auch heute noch unausgewertete Sachkomplexe für Findige parat.

Obwohl von den Juristen, die für die Wehrmacht-Untersuchungsstelle (WUSt) tätig waren, noch einige leben, hat sich doch bisher keiner, sei es in der historiographischen oder Erinnerungsliteratur, mit seinem einstigen Tätigkeits- gebiet beschäftigt; vielleicht, weil das Thema für Deutsche wegen des naheliegenden Verdachts, aufrechnen zu wollen, eine Gefühlsbarriere darstellt. Erst ein Amerikaner, ein New Yorker Anwalt mit dem juristischen Doktor von Harvard und dem philosophischen des Fachbereichs Geschichte der Universität Göttingen, wagte sich an den heiklen Stoff: Alfred M. de Zayas: Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle. Unveröffentlichte Akten über alliierte Völkerrechts-Verletzungen im Zweiten Weltkrieg"; Verlag Universitas/Langen-Müller, München 1979; 479 S., 38, DM.
An den Gegenstand war de Zayas geraten, als er über die Aussiedlung der Ostdeutschen arbeitete. Schon mit jenem Buch ("Nemesis at Potsdam", 1977) hat er seine wissenschaftliche Zuneigung zu schwierigen Themen bewiesen, ohne dabei das Gespür für Ursache und Wirkung zu verlieren. So auch hier nicht: Daß eine bürokratische Tötungsmaschinerie die Vernichtung von Millionen Menschen ins Werk setzte, . . . dürfte in der Geschichte wohl einmalig sein . . . Unter keinen Umständen darf der Leser diesen zeitgeschichtlichen Rahmen vergessen. Nach solchem Verhaltensgebot wird ein auf weiten Strecken harter Lesestoff präsentiert, in seinem nüchternen Protokollcharakter noch immer das Spiegelbild einer gnadenlosen Kriegführung auch der anderen Seite. Damit ist vor allem die sowjetische gemeint. So viele Einzelübergriffe bei den Westalliierten vorkamen und bei der WUSt aktenkundig wurden, es blieben Einzelfälle. In Rußland dagegen waren Verstöße gegen das Volkerrecht an der Tagesordnung, besonders Gefangenen-Erschießungen. 'Hält man sich das Material, das auf diese Weise im Laufe der Jahre zusammengetragen wurde, vor Augen, so ergibt sich daraus die Erkenntnis, daß die berichtete Praxis sowjetischer Soldaten, keine Kriegsgefangenen zu machen oder diese nach der Vernehmung sofort zu erschießen, keine Einzelerscheinung war.' So der disziplinierte, emotionsfreie Forscher, der darum um so überzeugender schreibt. Schreckliche Quälereien kamen vor. Die Grenzen zwischen dem, was aus Rache geschah, und dem, was einem Regime anzulasten ist, das dem Genfer Kriegsgefangenen-Abkommen von 1929 nicht beigetreten war und die Haager Landkriegsordnung von 1907 gekündigt hatte, waren im Rußlandfeldzug fließend. Die Beispielsammlungen sind nur die chronikartige Hülle einer im Grunde systematischen Studie. Sie setzt sich zum Ziel, Organisation, Arbeitsweise und Zuständigkeit der Wehrmacht-Untersuchungsstelle darzulegen. Wichtiger noch: Sie will prüfen, ob die dem OKW unterstellte Behörde unter Kriegsbedingungen unabhängig ermitteln konnte. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, »daß die Wehrmacht-Untersuchungsstelle eine gewissenhafte, justizkonforme Dokumentation betrieben", also ihre Erkenntnisse nicht unter irgendwelchem Druck verfälscht wiedergegeben hat. Aus den 226 erhaltenen Bänden, die seit 1968 aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland zurückgebracht wurden, sind Beispiele penibler Wahrheitssuche zitiert, bei denen man nur über das Mißverhältnis der Rechtsanschauung in ein und demselben Machtbereich staunen kann: einerseits die Tötung Zehntausender auf Grund bloßen Verdachts oder als Geiseln: andererseits die Prüfung jedes Einzelschicksals etwa eines mordverdächtigen russischen Gefangenen nach herkömmlichen juristischen Grundsätzen. Das Amt war mit erfahrenen Juristen besetzt, die der NS-Ideologie fernstanden. Inmitten korrumpierten Rechtsdenkens erhielt sich hier eine Oase traditioneller Justiz. Übrigens hatte ihr Leiter Johannes Goldsche schon bei der Vorläufer-Institution (1916 -1919) als stellvertretender Chef fungiert. Bei der neuen Behörde gab es also so etwas wie Amtsimmunität aus Anciennität. Ihre Befugnisse erlaubten ihr nicht, gegen Schuldige tätig zu ¦werden, sondern nur Material zu sammeln und zu dokumentieren. Daraus gewann das Auswärtige Amt Unterlagen für diplomatische Proteste über die Schutzmacht- Vertretungen (die Schweiz vor allem) und fertigte Weißbücher. Das Gewicht der Ermittlungsarbeit lag bei Unrechtshandlungen gegen deutsches Militär. Untersucht wurden aber auch Verbrechen an der deutschen Zivilbevölkerung (wie der "Blutsonntag in Bromberg" 1939) oder an Zivilisten anderer Staaten (Roheitsdelikte abziehender Engländer 1940 in Belgien). Das Heeres- Verordnungsblatt vom 4. September 1939, das die Aufgaben der Dienststelle umreißt, nennt als weitere Aufgabe eigens, 'die vom Auslande gegen die deutsche Wehrmacht . . . erhobenen Anschuldigungen aufzuklären'. Hier gab es wenig zu tun, hier stieß die Untersuchungsstelle freilich auch bald an ihre Kompetenzgrenzen: indem sie all das auszuklammern hatte, was nicht der Wehrmacht anzulasten war, sondern dem Sicherheitsdienst und der SS und das war das meiste. Dieses Buch, das wissenschaftliches Neuland erschließt, ist im Beweisgang sorgfältig abgestützt; es formuliert und wertet behutsam. Die erdrückende Geschichtslast organisierten deutschen Völkermordes wird nicht umverteilt; gezeigt wird nur, daß Streitkräfte (aller Länder) der Versuchung erliegen, sich über völkerrechtliche Schranken hinwegzusetzen und die Regeln der Menschlichkeit zu mißachten, wenn erst einmal der Krieg entfesselt ist".

Die Zeit

Eine 'Aufrechnung' der im Verlauf des Zweiten Weltkriegs von den Kriegführenden begangenen Völkerrechtsverletzungen ist angesichts der quantitativen und moralischen Grössenordnung der deutschen Vernichtungsaktionen im Osten und gegen das europäische Judentum nicht möglich. Ein solches Ziel hat sich die hier anzuzeigende Untersuchung auch nicht gestellt. Der amerikanische Jurist und Historiker Alfred M. de Zayas und sein niederländischer Mitarbeiter Walter Rabus sind mit einem sich bescheiden ausnehmenden Konzept darangegangen, die ab 1968 an die Bundesrepublik herausgegebenen Akten der 'Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts' ('WUSt') zu erschliessen. Ihr Werk will herausfinden, 'ob unter Beidingungen des Krieges von einer der Parteien eine verlässliche Dokumentation über die Verletzung von Kriegsrechtsregeln erstellt werden kann'.

Die im September 1939 innerhalb der Rechtsabteilung des OKW eingerichtete Untersuchungsstelle war beauftragt, die von Feindseite begangenen Völkerrechtsvertösse festzustellen und die vom Ausland gegen die deutsche Wehrmacht erhobenen einschlägigen Vorwürfe aufzuklären. Sie knüpfte damit an die Aufgaben der ehemaligen 'Militäruntersuchugnsstelle für Verletzungen des Kriegsrechts' im preussischen Kriegsministerium an und entsprach im Hinblick auf ihre sammelnde, sichtende aund auswertende Tätigkeit ähnlichen Einrichtungen anderer kriegführender Staaten.

Die Tätigkeit der mit kleiner Besetzung arbeitenden Dienststelle WUSt (4 bis 10 ständige Mitglieder) beschränkte sich auf ermittlungen und Vernehmungen und die Anfertigung von Berichten und Denkschriften. Wehrmacht- und Zivilrichter waren angewiesen, Amtshilfe zu leisten. Darüber hinaus etablierte sich eine Zusammenarbeit mit dem Wehrmachtführungsstab, dem Auswärtigen Amt (Weissbücher), der Abteilung Werhrmacht-Propaganda, mit Ausland/Abwehr und anderen Stellen.

Den Verfassern geht es vor allem um die Rekonstruktion der Arbeitsweise von WUSt. Ihr Untersuchungsverfahren lässt das von ihnen formulierte Ergebnis, dass nämlich 'die Wehrmacht-Untersuchugnsstelle eine geissenhafte justizkonforme Dokumentation betrieben hat', als gerechtfertigt erscheinen. Es war ja auch nicht diese Behörde selbst, die die gefundenen Sachverhalten für politische oder propagandistische Zwecke benutzte. So ist weithin eine Behörden- und Verfahrensgeschichte erarbeitet worden, die dem Benutzer, dem Juristen und Historiker, zuverlässig weiterhilft. Ist aber auch, wie beabsichtigt, ein Beitrag 'zur inneren Struktur des Dritten Reiches geliefert worden? Dies muss bezweifelt werden. Dass von den 226 hinterlassenen Aktenbeständen der WUSt nur einer Material über deutsche Völkerrechtsverletzungen enthält, mag auf kriegsbedingte Zufälle zurückzuführen sein, hängt aber wohl auch damit zusammen, dass WUSt seine Ermittlungen auf die gravierendsten deutschen Verbrechen (die Tätigkeit der Einsatzguppen) nicht ausdehnen durfte. So ergibt sich ein einseiteiges Bild. Im Falle Lemberg sammelte WUSt in zahlreichen Zeugenvernehmungen Beweismaterial für das verbrecherische Vorgehen des NKWD gegen ukrainische und polnische Gefangene und für die Judenpogrome der Lemberger Bevölkerung. Die Ermordung von 7000 Juden durch SD und Einsatzgruppen floss in ihre Beweissammlung nicht ein. Davon war auch nicht die Rede in der ersten WUSt-Russland Denkschrift vom November 1941 "Kriegsverbrechen der russischen Wehrmacht". Dieselbe Einsitigkeit charakterisiert das Weissbuch des Auswärtigen Amtes 'Bolschewistische Verbrechen gegen Kriegsrecht und Menschlichkeit.'

Es lässt sich also feststellen, dass die politische Brisanz des Themas da einsetzt, wo eine 'Behördengeschichte' normalerweise abbricht. Die Verfassern konnten diese Grenze nur gelegentlich sichtbar machen oder druchbrechen. Dass eine Behörde, die ihr Material anderen Dienststellen vorzulegen hat, sorgfältig arbeitet, wird als Untersuchungsergebnis sozusagen erwartet. De Zayas sucht nach zusätzlichen Erklärungen dafür und findet sie in der Tatsache, dass die leitenden Personen, nämlich Rudolf Lehmann, Chef der Wehrmachtrechtsabteilung, und Johannes Goldsche, Leiter von WUSt, 'alter Richter waren, die trotz ihrer herausgehobenen Stellungen der NSDAP nicht angehörten'. Dieser Ansatz ist problematisch. Sinnvoller wäre die Frage, warum in vielen Fällen auch Nicht-parteigenossen 'so weit' mitgegangen sind. Der Ansatz erklärt insbesondere für das Verhältnis Wehrmacht-Nationalsozialismus wenig: Soldaten konnten erst ab 1944 Parteigenossen werden.

Manche jener alten Juristen haben an den Entwürfen für die verbrecherische Befehlen mitgewirkt (Kommissar- und Kommandobefehlt u.a.). Lehmann oberster Wehrmacht-Jurist, in vielen Fällen um die Wahrung von Rechtsgrundsätzen bemüht, hat dennoch am 28. April 1941 einen Entwurf zum Gerichtsbarkeitsaerlass vorgelegt, der für die Ausschaltung der Gerichte bei Vergehen deutscher Soldaten gegen die Zivilbevölkerung plädierte. Und im Mai 1941 meinte er: 'Wenn wir schon einmal diesen Schritt tun, dann muss er auch ganz getan werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Truppe die Sachen, die ihr ungelegen sind, an die Gerichte abschiebt und dass so ... das Gegenteil von dem eintritt was erreicht werden soll.' Diese Haltung gibt dem Tun von WUSt jene Doppelbödigkeit, die bei vielen sonst korrekten Handlungen jener Zeit bezeichnend ist. Hier erst wird erkennbar, wo WUSt im NS-System zu lokalisieren ist.

Nachdenkenswert ist auch jene Aufgabenstellung für einen Spezialausschuss under Admiral Gladisch, die Keitel im August 1940 im Hochgefühl des halben Sieges im Westen so formulierte: 'Der Zeitpunkt der Wiederherstellung des Friedens gibt eine Gelegeneheit, für die Grundsätze des Kriegsrechts, welche sich in deisem Kriege in unserem Sinne bewährt haben ... die Anerkennung aller Staaten zu erreichen. Dieser Zeitpunkt erscheint für eine solche Fortbildung des Kriegsrechts deswegen am günstigsten, weil Deutschlands Machtstellung dann am grössten sein wird.' Als politische Ausgangslage wurde bei diesen Überlegungen ein 'eindeutiger Siegfrieden' angenommen. Als mögliche Gegener seien Eingland und die Vereinigten Staaten, in zweiter Linie Russland anzunehmen. Überlegungen zur Durchsetzung eines neuen von Deutschland inspirierten Völkerrechts wurden im Gefolge Carl Schmitts schon vor dem Kriege artikuliert. Es gab die Überlegung, das Recht des deutschen Volkes werde massgeblich für den 'von ihm verfassten Gorssraum' sein.

Die Wehrmachtjustiz war nicht die ruhige Insel in einem in Bewegung geratenen 'Rechtsdenken'. Das wird der Leser im Auge behalten müssen, wenn er die ausgewählten Bilder der korrekten Ermittlungsarbeit von WUSt vor scih abrollen lässt: Narvik, Kreta, Feodosia, Grischino, Lemberg, Katyn, Winniza. De Zayas beabsichtigt, mit neuem Material eine erweiterte zweite Auflage in Angriff zu nehmen. Viele Leser warten mit Interesse auf die Richtung, die ein solches Unternehmen einschlagen wird."

Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Das vorliegende Buch berichtet zunächst über die Arbeitsweise dieser Dieststelle ...Die Verfahren dienten also der Beweisssicherung ebenso wie als Grundlage für Proteste und Denkschriften der Reichsregierung gegenüber den betreffenden gegnerischen Staaten. Das Forschungsprojekt der beiden Autoren erstreckte sich auf eine neuerlich, sozusagen historische Beweissicherung. Durch Befragung überlebender Beteiligter und durch Akteneinsicht bei der Schutzmacht und zum Teil auch in den Archiven der Kriegsgegner sollte festgestellt werden, inwiewiet die damaligen Untersuchungen der Wehrmacht-Untersuchungsstelle der Wahrheit entsprachen bzw. inwieweit sie vielleicht propagandistisch gefärbt gewesen wären. Die Untersuchungen durch die beiden Autoren, einen Amerikaner und einen Niederländer, bestätigten zumindest den subjektiven Wahrheitsgehalt der weidergegebenen Akten. Da diese Akten ja auch seinerzeit primär für den internen Gebrach bestimmt waren, ist dieses Ergebnis nicht allzu verwunderlich. Es ist aber dennoch sehr dankenswert, dass sich die Autoren dieser Mühe unterzogen haben, um skeptischen Auffassungen am Beweiswert dieser enrschütternden Materialsammlung zuvorzukommen. Die Akten geben ein trauriges Bild von der Grausamkeit der im Krieg aufgepeitschten Leidenschaften. Ohne Aufrechnung treiben zu wollen, musste es jedem Einsichtigen klar sein, dass in einem Krieg solchen Ausmasses unmenschliche Handlungen nicht nur auf der Seite einer der kriegführenden Parteien vorkommen konnten. Bedauerlich ist, dass die schlechte Aktenlage auch bei den Westalliierten nur selten eine Aufklärung über die tatsächlichen Hintergründe einer Aktion ermöglicht, die der betroffenen Seite als klares Kriegsverbrechen erscheinen muste. Die Autoren haben sich um solche Klärungen bemüht, leider aber eben oft vergeblich, trotz der präzisen, druch ihre Untersuchungen neuerlich bestätigten Angabe in den Akten der Wehrmacht-Untersuchungsstelle."

Österr. Z. für öffentliches Recht und Völkerrecht

"Der Historiker und Völkerrechtler Alfred de Zayas stiess bei seinen Untersuchungsen über die deutschen Flüchtlinge auf Beispiele von Ausschreitungen der Sowjettruppen gegen die deutsche Zivilbevölkerung in Ostpreussen 1944. Er suchte nach deutschen Unterlagen zu diesen Vorgängen und fand im Freiburger Bundesarchiv-Militärarchiv den Aktenbestand der Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts. Kein deutsche r Wissenschaftler hatte sich bis dahin an diese Quellen gewagt, ganz offenbar aus Sorge darüber, eine Arbeit über Kriegsverbrechen der Alliieerten könne als Versuch ausgelegt werden, deutschen gegen alliiertes Unrecht aufzurechnen. Im Vorwort zu seiner Studie macht de Zayas deshalb klar, das die 'Vernichtung von Millionen Mneschen' durch das Dritte Reich 'in der Geschichte wohl einmalig' sei, dass ein Verbelich deutscher und alliierter Kriegsverbrechen sich also verbiete. De Zayas hat alles vermieden, was sein Buch zu einem Bestseller machen könnte. Schon der Titel is wenig spektakulär: "Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle -- Unveröffentlichte Akten über alliierte Völkerrechtsverletzungen im Zweiten Weltkrieg'. Brisant sind dagegen die Forschungsergebnisse: Aus der inneren Stimmigkeit der dokumente, aus der Befragung von etwa 300 Überlebenden und aus der Überprüfung des deutschen Materials durch die Akten der alliierten Kriegsgegner geht klar und deutlich hervor, dass Hitlers Wehrmachtsrichter saubere juristische Arbeit leisteten, dass sie sich keinesfalls zu Zuträgern des Reichspropagandaministeriums degradieren liessen."

Frankfurter Neue Presse

Ein junger amerikanischer Wissenschaftler brach ein Tabu: Er veröffentlichte ein Buch über alliierte Verbrechen im II. Weltkrieg...Das Grauen kommt per Post, im Briefumschlag: Vergilbte Fotos, die verstümmelte Leichen zeichen, Zeugenaussagen über Massaker, Aufnahmen von Luftangriffen auf Lazarettwagen. Dei Opfer - meist Deutsche. Empf¨nger der Horror-Sendungen ist ein junger Historiker und Völkerrechtler, der noch nicht geboren war, als alles geschah: Dr. Alfred M. de Zayas, Jahrgfang 1947, Amerikaner, derzeit Mitarbeiter an der Universität Göttingen, jener Mann der ein seit 35 Jahren bestehendes ungeschriebenes Tabu gebrochen hat: Als erster legte er eine fundierte Dokumentation über alliierte Verbrechem in Zweiten Weltkrieg vor. Der sensationelle Erfolg dieses Buches beweist, wie gross der Nachholbedarf auf diesem bislang weitgehend totgeschwiegenen Sektor der Geschichtsschreibung ist: Innerhalb weniger Wochen waren zwei Auflagen vergriffen, die dritte erscheint im Mai. Und fast täglich erhält der Absolvent der amerikanischen Elite-Universität Harvard neues Material. Dr. de Zayas zu Bild am Sonntag: "Auch Leute, die anfangs skeptisch waren melden sich jetzt'. Dabei war er, wie er einräumt eher durch Zufall, 'in die heikle und oft falsch verstandene Thema hineingestolpert': Während der Recherchen zu seinem Buch 'Die Anglo-Amerikaner und die Vertreibung der Deutschen' (Verlegt bei Beck) hatte er im Bundesarchiv 226 Aktenordner entdeckt, die gerade erst von den Amerikanern an die Deutschen zurückgegeben worden waren ...Der Inhalt der aufgefundenen richterlichen Protokolle und Tatortfotos war so 'heiss', dass Dr. de Zayas und sein holländischer Mitarbeiiter Dr. Walter Rabus zunächst an NS-Lügenpropaganda glaubten. Doch nach fünfjähriger Forschungsarbeit nach Hunderten von Zeugenbefragungen und Gegenrecherchen in alliierten und neutralen Archiven stand für die beiden Völkerrechtler fest: Die Ermittlungen der deutschen Dieststelle waren eine 'gewissenhafte, justizkonforme Dokumentation'! ...Um 'Beifall von der falschen Seite vorzubeugen', meint er: 'Man sollte sich hüten, diese alliierten Verbrechen gegen das aufzurechnen, was Deutsche während des Zweiten Weltkrieges begangen haben. Aber man sollte diese Vorgänge auch nicht verschweigen. Sie gehören genauso zur Geschichte."

Bild am Sonntag

"nüchtern und sachlich"

Harburger Anzeigen und Nachrichten

Süddeutsche Zeitung veröffentlichte eine Liste der besten Bücher der 1980 Produktion, Empfehlungsliste neuer Buecher. An erster Stelle kam Peter Scholl-Latour's Der Tod im Reisfeld, an zweiter Stelle Carlo Schmid: Erinnerungen, an dritter Stelle: Die Wehrmacht Untersuchungsstelle. Süddeutsche Zeitung 8/9. März 1980, S. 15.

"So blieben die mehr als 200 erhaltenen Aktenbände der deutschen Ungtersuchungsstelle unbeachtet, bis der amerikanische Historiker Alfred M. de Zayas vor drei Jahren auf jene Protokollen alliierter Kriegsgreuel stiess, über die Dr. Rudolf Lehmann, Chef der Wehrmachts-Rechtsabteilung im Nürnberger OKW-Prozess sagte: 'Man kann sie nur mit Schaudern lesen.' Zunächst war Skepsis geboten. Grundsätzlicher Art: Wiewiet kann ein kriegführender Staat mit richterlicher Beweisaufnahme wahrheitsgetreu Rechtsverletzungen der Gegnerseite aufnehmen? Und im speziellen Fall: Hat nicht gerade der NS-Staat Propaganda als wichtiges Kriegsmittel eingesetzt...? Im Fall der gegnerischen Rechtsverletzungen hatten Hitlers Wehrmachtsrichter freilich die Wahrheit gesagt. Das ergab eine umfangreiche Befragungsaktion. 300 Richter und Zeugen wurden gehört.... Mit sojwetischen Rechtsverletzungen befasste sich das amerikanisch/holländische Historiker-Team besonders intensiv; die Ermordung 160 deutscher Verwundeter 1942 in Feodosia ist da ebenso detailliert belegt wie ein Jahr später der Massenmord an rund 600 Lazarettinsassen, Krankenschwestern und Technikern in Grischino ...Im übrigen aber, so ergibt das jetzt erschlossene Material, waren deutsche Wehrmachtsrichter in der Aburteilung gegnerischer Kriegsverbrecher einigermassen zurückhaltend. Zahlreiche der nach 1939 angeklagten Polen wurden mangels Beweisen freigesprochen, ebenso wie viele gefangene französische Soldaten, denen Verstösse gegen das Kriegsrecht zur Last gelegt worden waren.... Eigentliches Ziel der Untersuchungsarbeit war vermutlich die Erstellung von Kriegsvebrecherlisten -- für den Fall des Endsieges..."

Münchener Merkur, 12. Januar 1980, S. 3.

"Bei der Lektüre von Büchern, die sich mit diesem Thema bewfassen, darf man sicher mit Recht davon ausgehen, dass der Abstand von dreieinhalb Jahrzehnten dazu beigetragen hat, bei der Beurteilung der Kriegsjahre objektiver zu verfahren, als dies vielleicht noch vor zehn oder gar zwanzig Jahren möglich war. Die Zeit heilt nicht nur Wunden, sie setzt auch andere Massstäbe. Deshalb ist jede Neuerscheinung zu begrüssen, die dazu beiträgt, Erkenntnisse zu vertiefen, die Erinnerung wachzuhalten. Nicht, um etwa Ressentiments zu schüren, sondern um der historischen Wahrheit wegen. Die Bücher, die in dieser Sendung vorgestellt werden sollen, erfüllen diesen Zweck.
Was die Juristen unter dem Begriff "Verletzungen des Völkerrechts" verstehen, wird in der Umganssprache zutreffend mit dem Wort 'Kriegsgreuel' bezeichnet. Was im Namen des deutschen Volkes während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 an der Bevölkerung der von der deutschen Wehrmacht/ besetzten Gebiete alles an zum Teil unvrostellbaren Grausamkeiten begangen worden ist, dass füllt bereits Bände. Das Völkerrecht wurde noch nie in einem Krieg zuvor so brutal und zynisch missachtet und mit Füssen getreten wie im 2. Weltkrieg.
Die historische Wahrheit aber gebietet, festzustellen, dass dies nicht nur allein und ausschliesslich durch uns Deutsche geschah. Nach mehr als fünfjähriger Forschungstätigkeit haben jetzt zwei Völkerrechtler, nämlich der Amerikaner de Zayas und der Holländer Rabus, das Ergebnis ihrer Arbeit vorgelegt ...Es ist gut, dass die Beschreibung der Arbeit dieser Wehrmachts-Dienststelle durch zwei ausländische Völkerrechtler erfolgt ist. Nicht, dass man unterstellen müsste, ein deutscher Experte sei nicht in der Lage gewesen, objektiv und unbefangen über dieses Gebiet zu berichten. Aber so wird von vornherein der mögliche Verdacht ad absurdum geführt, hier haben man deutscherseits den Versuch unternommen, fremde Schuld und frende Verbrechen gegen die eigenen aufzurechten. Zayas und sein Kollege sind vor allem der Frage nachgegangen, ob es sich bei den unersuchten Vorkommen etwa um Geschehnisse handelte, die von Goebbels und seinen skrupellosen Helfesshelfern inszenier sein konnten. Heute leben noch einige hundert Mitarbeiter der Wehrmacht-Untersuchungsstelle, die mit ihrem Erinnerungen und Aussagen dazubeitrugen, dem Buch dokumentarischen Charakter zu verleihen.
Der Leser mag sich mitunter an der etwas trockenen juristischen Wortwahl stören -- er möge nicht vergessen, dass es sich hier um Aussagen und Akten von Richtern handelt, die niemals daran gedacht haben, dass ihre Papiere später einmal in Buchform veröffentlicht werden würden. Und noch ein Hinweis sei hier der verdientvollen Publikation hinzugefügt: dieses Buch kann nicht für jene Unverbesserlichen herhalten, die mit dem Hinweis, auch die anderen waren nicht schuldlos, von unseren eigenen ungeheuerlichen Verbrechen ablenken wollen. Das Buch bringt nur der Beweis, dass im Krieg jeder schuldig werden kann, dass seine Beteiligten grausam handeln, je grausiger der Krieg selbst wird. Wodurch allerdings auch nicht das geringste Verbrechen als entschuldbar gelten darf."

Hans Lützkendorf, 1. Programm NDR/WDR 15. Februar 1981.

"Die wesentliche Frage, die sich de Zayas gestellt hatte war, ob die Tausende von richterlichen Protokollen in den Akten der Wehrmacht-Untersuchungsstelle über Völkerrechtsverstösse der Alliierten während des 2. Weltkrieges (darunter die Versenkung des deutschen Lazarettschiffes 'Tübingen' am 18.11.1944 in der Adria) glaubwürdig oder aber Teil der NS-Propaganda waren. Nachforschungen über den Lebensweg der Wehrmachtsrichter an dieser Dienststelle, der Vergleich der geschilderten Vorgänge mit einschlägigen Materialien in anderen Archiven in Deutschland, und den USA, in England oder der Schweiz, sowie die Befragung von Hunderten von Zeugen in fünf Jahren haben erbraucht, dass die Wehrmacht-Untersuchungsstelle "eine Insel des Rechts im Unrectsstatt" war. Ihre Angehörigen waren nur in Ausnahmefällen und dann eher formell Mitglieder der Partei, oft wegen dieser Tatsache aus dem zivilen Justizdienst verdrängt. Die Ermittlungen der Wehrmacht-Untersuchungsstelle bei behaupteten alliierten Völkerrechtsverletössen waren von grosser Skepsis und oftmals peinlicher Genauigkeit bestimmt, ihre Feststellungen und Ergebnisse können weithin als gesichert und glaubwürdig gelten. ...Was dieser sorgfältig und objektiv recherchierte und behutsam wertende Beitrag zur Aufhellung eines dunklen Kapitels der jüngsten Geschichte zeigen kann ist, wie zerbrechlich rechtliche Regeln in jeder gewalsamen Auseinandersetzung und auf Seiten aller Beteiligten sind. So besehen ist das Ergebnis der Forschungen de Zayas' ein Plädoyer gegen den Krieg überhaupt."

Rhein-Neckar Zeitung

"Die von Alfred de Zayas ausgewerteten 226 Aktenbände der Wehrmacht-Untersuchungsstelle stellen den bedeutendsten Aktenfund seit den Nürnberger Prozessen dar."

Dr. Wolfgang Venohr.